Von analog zu digital

Der gemeinsame Spielplan der Berliner Bühnen im Wandel

Wer in den frühen 1970er und 80er Jahren mit der Westberliner U-Bahn fuhr, konnte sich die Zeit bis zum nächsten einfahrenden Zug vor dem großen gelben Spielplan der Berliner Theater und Opern verkürzen. Der Gelbe gab den Wartenden einen kompakten Überblick über die Theater-, Opern und Tanzaufführungen und Konzerte des Monats. Einige Jahre nach dem Mauerfall, die Züge fuhren nicht mehr im gemächlichen 10- bis 15-Minutentakt, die Theaterlandschaft Berlins verdoppelte sich über Nacht und überall entstanden Freie Spielstätten in ehemaligen leerstehenden Ballsälen und Fabriketagen, verschwanden die Spielpläne unmerklich aus den Bahnhöfen. Dem Mehr an Theatern und Konzertsälen und steigenden Plaktierungs- und Druckkosten begegneten die Initiatoren des gemeinsamen Spielplans, die Spielzeit AG, eine Arbeitsgruppe zur Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Bühnen, mit einer Idee, mit der sie zu Pionieren des Stadttheater-Kulturmarketings wurden.

Pioniergeist im Stadttheater-Marketing

In NRW hatte sich zeitgleich die Stiftung kulturserver gegründet, die mit ihrer digitalen Datenbank culturebase Veranstaltungsdaten, Spielpläne, Künstlerbiografien und Filme von hunderten Kultureinrichtungen erfasste, bündelte und über Datenschnittstellen in ein wachsendes Netzwerk an Redaktionen, Kulturdatenverwerter und Kulturenrichtungen weiterleitete. Kulturserver und Spielzeit AG taten sich zusammen und initiierten 2004 Berlin Bühnen, das gemeinsame Online Portal der Berliner Bühnen. Das analoge Motto “Alle Bühnen auf einen Blick” wandelte sich in “Alle Bühnen auf einen Klick”. Mit knapp 20 Bühnen ging es los. Die Basisdaten konnten mit ausführlichen Beschreibungstexten, Inhaltsangaben, Konzertprogrammen, Bildern und vollständigen Besetzungslisten ergänzt werden. Berlin Bühnen war zu Jahrtausendbeginn DAS Pilotprojekt  für ein gemeinsames Stadttheater-Marketing, digitale Schnittstellen und Datenbanken inklusive. Bundesländer wie Hamburg oder NRW haben die Idee eines gemeinsamen Auftritts der Bühnen in den Jahren aufgegriffen.

Mehr Bühnen, mehr digitales Know-How

Das Portal wuchs über die Jahre auf 55 Stadttheater, Opern- und Konzerthäuser, Kabarett- und Comedy Bühnen, Kleinkunstbühnen, Show- und Musicalpaläste, Kinder- und Jugendtheater sowie Freie Spielstätten. Die technischen Anforderungen wuchsen und die redaktionelle Ausrichtung wurde wichtiger. Das in Eigenregie der Bühnen betriebene Portal sollte technisch und konzeptionell von Grund auf erneuert werden.
So kamen 2014 Kulturprojekte Berlin ins Spiel. Mit den Wünschen und Ideen der Bühnenvertreter im Kopf haben wir das Portal technisch und konzeptionell neu aufgestellt und sind im April 2015 im neuen Design online gegangen. Heute sind die Spielpläne, Festivals, theaterpädagogischen Abteilungen von 76 Bühnen und Konzerthäusern auf Berlin Bühnen einzusehen. Zusätzlich zu vielen Filtermöglichkeiten und persönlichen Favoritenlisten lädt der monatliche Berlin-Bühnen-Newsletter zu Entdeckungen ein und stellt thematisch oder formal Querverbindungen her.  Mehr Theater, Tanz, Musik und Show geht nicht!

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