Podewil 
Der Programmbetrieb des Podewil als Zentrum für aktuelle Künste endete am 31. Dezember 2004. Heute hat die landeseigene gemeinnützige Gesellschaft Kulturprojekte Berlin hier ihren Sitz.
Podewil 1992-2004
12 Jahre Programmarbeit markierten den Versuch, die Künste von morgen – im politischen, ästhetischen und auch technologischem Sinn – in der heutigen kulturellen Landschaft Berlins und darüber hinaus zu verankern. Als Teil eines nationalen und internationalen Netzwerks kooperierender Partner initiierte und unterstützte das Podewil die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Musik (Kuratorin: Elke Moltrecht), Theater/Performance (Kuratorin: Aenne Quinones), Tanz (Kuratoren: Ulrike Becker, André Theriault) und Medienkunst (Kurator: Andreas Broeckmann).
Ungefähr 2500 Einzelkünstler und Gruppen trugen seit Gründung dazu bei, das Podewil als Spielstätte für avancierte, experimentelle Projekte zu entwickeln. Hierfür waren auch die räumlichen und technischen Bedingungen für Produktion und Präsentation maßgebend, das Haus verfügte über Klub, Foyer, Saal, Probebühne, Tanzstudio, Probenräume und Künstlerateliers.
In den Ateliers hatten zwischen 1995 und 2003 mehr als 40 Künstler und Ensembles als artists-in-residence ihre Arbeitsräume, darunter Xavier Le Roy (1996-2001), zeitkratzer (2000-2002) und Gob Squad (2000-2002). Sie stehen stellvertretend für die vielen jungen, noch nicht etablierten Künstler, die im Podewil erstmals professionelle Arbeitsmöglichkeiten erhielten und von hier aus Anerkennung und internationales Renommee errangen.
Als kompetenter Partner der Künstler und gemeinsam mit ihnen wurden neue zeitgemäße Produktions- und Entwicklungswege gesucht und gefunden. Von unorthodoxen Methoden und lebendigem Austausch im Podewil zeugte die Vielfalt von Festivals, Reihen und Projekten in unterschiedlichsten Formaten, die über die Jahre entwickelt wurden, z. B. MontagsMusik, thematische Musikfestivals (Pfeifen im Walde, Intonations – In selten guter Stimmung, off-ICMC, x-tract CHICAGO u. v. a.), reich & berühmt, KÖRPERSTIMMEN – Tanz und Performance International und das Open-Air-Sommerprogramm.
Das internationale Medienkunstfestival transmediale fand von 1993 bis 2001 ebenfalls im Podewil statt, seit 2002 präsentiert sich das stark gewachsene Festival im Haus der Kulturen der Welt.
Nach wie vor (seit 1992) ist das Podewil jährlicher Festivaltreffpunkt und Spielstätte für das Internationale Tanzfest Tanz im August.
Hintergründe der Schließung des Podewil als Zentrum für aktuelle Künste
Grundlage für die Schließung war ein Beschluss des Aufsichtsrats der Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH (BKV) als Betreiber des Podewil zu dieser Zeit. Der Aufsichtsrat, unter Vorsitz des damaligen Kultursenators Thomas Flierl, schrieb 2004 den künstlerischen Spielbetrieb in der Klosterstraße neu aus.
Die Neuausschreibung war Endpunkt eines langen Kampfes um den Erhalt des Podewil als Forum für alle Spielarten der zeitgenössischen Kunst.
Bereits 2002 war das Podewil von Existenz gefährdenden Kürzungen in Höhe von 750.000 Euro bedroht. Diese wurden dank massiver Proteste der Kunstszene im In- und Ausland teilweise zurückgenommen. Dennoch waren in den Jahren 2002/2003 Kürzungen zu verkraften, die eine Programmarbeit auf anhaltend hohem Niveau unmögllich machten. Schließlich war 2004 kein durchgehender Programmbetrieb mehr möglich: Eingeführte Reihen wie „KÖRPERSTIMMEN“ hatten mit einem halbierten Etat zu kämpfen, Programmhöhepunkte wie die thematischen Musikfestivals und das beliebte Sommerfest fielen ersatzlos weg. Wegen der unsicheren Zukunft der Spielstätte konnten nicht mehr ausreichend Drittmittel akquiriert werden.
Im Ergebnis eines öffentlichen Interessenbekundungsverfahrens für den Spielbetrieb ab 2005 wurde unter zehn Bewerbungen das Konzept von Carsten Seiffarth, Detlev Schneider und Andreas Broeckmann für das Medienkunstlabor TESLA ausgewählt.
Der gleichnamige Verein TESLA war bis zum Jahresende 2007 für die künstlerische Programmgestaltung zuständig. Dieser Auftrag wurde wegen der Gründung der Kulturprojekte Berlin GmbH und neuen inhaltlichen Schwerpunkten von der Kulturverwaltung nicht verlängert.
Für Rückfragen zur Geschichte des Podewil als Zentrum für aktuelle Künste:
Gabriele Miketta, Tel. 030-24749732, pr
kulturprojekte-berlin.de
Hier finden Sie die Website von TESLA.
