Diversité

Annibel Cunoldi Attems: DIVERSITÉ

Fotos einer Installation in den "Loges de Viel", Quartier Charcot des Hôpital de la Pitié-Salpêtrière, Paris, ausgestellt im Wilhelm-Griesinger-Haus der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Ort: Verbindungsgang zwischen der Psychiatrischen und der Nervenklinik
Eröffnung: 24. August 2007 um 15 Uhr

Beteiligung an der langen Nacht am 25. August 2007 von 18 bis 23 Uhr
Laufzeit: 24.8.-30.11.2007

Annibel Cunoldi Attems studierte Kunst und Literatur in Paris und lebt in Berlin. Im Geist des Psychiaters Franco Basaglia, der in ihrem Geburtsort Görz als radikaler Reformer des italienischen Psychiatriewesens wirkte, beschäftigt Cunoldi die Beziehung zwischen Kunst und Wahn. 

In den "Loges de Viel" der Salpêtrière, saßen die geisteskranken Frauen auf 22 Bänken vor ihren Zellen. Auf den Halbkreisen der originalen Sitze hat Annibel Cunoldi Attem 22 halbkreisförmige Stahlplatten angebracht, auf denen sich als Wortinstallationen die Begriffe und Konzepte kreuzen, mit denen Jean-Martin Charcot den Umgang mit Hysterie und Wahn revolutionierte. 

Der 20. Jahrestag des Städtedialoges zwischen Paris und Berlin ist für die Künstlerin der Anlaß, diese Installation in Form von großformatigen Fotografien in der Berliner Charité auszustellen. Der Ausstellungsort im Flur, der die psychiatrische und die Nervenklinik verbindet,  erinnert an Wilhelm Griesinger, dessen Reformwerk als erster Inhaber eines Lehrstuhles für Psychiatrie und Neurologie (1865) mit dem Wirken von Charcot in mancher Hinsicht vergleichbar ist. Wie Charcot stellte er die Psychiatrie auf eine ausschließlich medizinisch-somatische Grundlage jenseits von theologischen Vorstellungen von Besessenheit, religiöser Schuld und pädagogisch motivierten Zwangsmaßnahmen.

 
 
© 2007