Werner Tübke: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland, 1979/81, 1:10 Fassung, Nationalgalerie

Kunst und Kalter Krieg / Deutsche Positionen 1945 - 1989

3. Oktober 2009 bis 10. Januar 2010 im DHM

 

Die Ausstellung bietet 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges einen Überblick zur Kunstproduktion während der deutschen Teilung aus internationaler Sicht mit Positionen deutscher Kunst zwischen Kriegsende und Fall der Mauer. Die Schau umfasst etwa 300 Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos, Installationen und Bücher von 120 Künstlern.

Der Rundgang gliedert sich in vier Zeitabschnitte und beginnt mit der Frage nach Kontinuität oder Neubeginn 1945. Im ersten Teil zeigt sie die Abstraktion aus der Schule der Bauhausmoderne in Konfrontation mit Totentänzen, Sterbenden Kriegern und Ruinenbildern.
Die fünfziger Jahre stehen im Zeichen des Streites um das Menschenbild. Der unerschütterliche Held der Zukunft ist das Sujet des Sozialistischen Realismus, während die informelle Malerei Ausdruck des befreiten Subjekts sein will.
Denkmalwettbewerbe konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Das an der Sektorengrenze in Westberlin geplante Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen versteht sich als Widerpart zum sowjetischen Siegesdenkmal in Ostberlin und klagt die Unfreiheit im sowjetischen Machtbereich an. Das Buchenwald-Ehrenmal mit der Skulpturengruppe von Fritz Cremer wird zum Symbol des Antifaschismus in der DDR.
In den sechziger Jahren beginnt in beiden deutschen Staaten die Auseinandersetzung mit dem Trauma der Vergangenheit. Der Kapitalistische Realismus, inspiriert durch die angloamerikanische Pop art, wird die Kunst des Wirtschaftswunders. Neue Medien, Fluxus, Happening und Körperkunst verflüssigen den auf Staffeleigemälde und Skulpturen fixierten statischen Kunstbegriff. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen und der Studentenbewegung tritt der linke Künstler auf und visualisiert die „Richtkräfte einer neuen Gesellschaft“ (Joseph Beuys, 1975).
Die Gegenwart der Vergangenheit thematisieren Maler wie Georg Baselitz und Anselm Kiefer, aber auch Bernhard Heisig und Werner Tübke. Die Fotografen emanzipieren sich und werden zu gleichberechtigten Akteuren der Kunstszene. Ihre Werke fungieren zunehmend als Archive des Alltags.
In den achtziger Jahren tritt eine Generation auf, die sarkastisch den Sprung aus der Geschichte wagt und alle Ideologien in Frage stellt. Das Wandbild in der Paulskirche  zur 48er Revolution (Johannes Grützke) und die „frühbürgerliche Revolution“ als Panoramagemälde (Werner Tübke, 1:10 Fassung) befragen kritisch die Identität der Deutschen in Ost und West.
Mit der nonkonformen Kunst in der DDR und der zwischen Dresden und Westberlin entstandenen Bildschaukel „Gefrorene Glieder brechen leicht“ von Via Lewandowsky endet die Ausstellung. Auf der Rückseite grüßt der Künstler mit bandagierter Hand: Gerade noch einmal davongekommen!

Die Ausstellung ist eine Produktion des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) in Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte Berlin GmbH. Letzte Station ist das Deutschde Historische Museum Berlin vom 3. Oktober 2009 bis 10. Januar 2010. Die von Stephanie Barron (LACMA) und Eckhart Gillen (Kulturprojekte Berlin) kuratierte Ausstellung wird großzügig gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Stiftung Deutsche Klassenlotterie, dem Auswärtigen Amt und dem National Endowment for the Arts.

Ort:
Deutsches Historisches Museum
www.dhm.de

Öffnungszeiten
Täglich 10.00-18.00 Uhr
31. Dezember 2009: 10.00-14.00 Uhr
01. Januar 2010: 12.00-18.00 Uhr
24. und 25. Dezember 2009 geschlossen

 
 
© 2007