Das war mehr PomPoms!

Zwei Tage und einen Abend lang stand Berlin im Zeichen von mehr PomPoms! Am ersten Juliwochenende präsentierten sich auf Berlins jungem Kulturweekend rund 100 Projekte, die in der intensiven Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern mit Kindern und Jugendlichen entstanden sind. Viele davon wurden durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert.

Am Sonntag verwandelte sich das Podewil samt Klostertraße in ein großes Festivalgelände der jungen Künste. Mit einer mitreißenden Bühnenshow, einem Workshopangebot vom Storyboardzeichnen bis Maskenbildnern, Filmzelten, einer giftgrünen Picknickwiese und … ach, schauen Sie selbst: Für unsere 2.000 Gäste haben wir nämlich ein kleines Fotoalbum als Erinnerung zusammengestellt, das von dem quirligen Treiben weitaus anschaulicher erzählt. mehr

 

Offensive Kulturelle Bildung in Berlin

Mitte des Jahres 2006 startete der Rat für die Künste als Zusammenschluss von Berliner Kulturinstitutionen und -projekten eine Offensive Kulturelle Bildung in Berlin. In der Überzeugung, dass Kunst und Kultur als ein wesentlicher Katalysator für gesellschaftliche Entwicklung und Innovationen gelten, wurde gemeinsam mit maßgeblichen Akteuren auf diesem Feld ein Weg für neue Initiativen und Reformen für kulturelle Bildung vorgezeichnet. Der Rat für die Künste sieht sich nicht als Projektträger, sondern als Koordinator für alle Akteure, die dieses Bündnis konstituieren und gemeinsam einen nachhaltigen Prozess gestalten wollen.
Die Besonderheit der Offensive liegt darin, dass der Impuls von den Künsten ausging und einen hohen künstlerischen Anspruch an die neuen Kooperationen zwischen Künsten und Bildung stellt. So sind Kulturinstitutionen aller künstlerischen Genres, darunter Einrichtungen in Bezirks-, Landes- oder Bundesförderung sowie freie Träger und private Initiativen, große und kleine Häuser eingebunden. Schirmherr der Offensive ist Lothar Zagrosek, Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin, der mit seinem Einsatz öffentlich macht, wie notwenig es ist, nach neuen Wegen der Kulturvermittlung zu suchen und Teilhabe an Kultur zu ermöglichen. Die Einrichtungen der traditionellen Kinder- und Jugendkultur übernehmen gemeinsam mit Künstlern und Institutionen die Verantwortung für kulturelle Bildung. Ergänzend zu den bisherigen Strukturen wird eine weitere Annährungsmöglichkeit an Kultur angeboten, ohne die Schulen von ihren Aufgaben zu entlasten.

Die Offensive Kulturelle Bildung in Berlin besteht aus mehreren Bausteinen, die in einem gemeinsamen Forum über 140 Teilnehmer aus den Bereichen Schule, Künste, Kulturvermittlung, Wissenschaft, Verbände und Elternschaft während einer Werkstattkonferenz Ende September 2006 [Dokumentation als pdf, 1,7 MB] erörterten. In einer gemeinsamen Erklärung [pdf] forderten sie eine verstärkte politische Kooperation zwischen den Ressorts Bildung und Kultur, die Erarbeitung eines Rahmenkonzeptes, die Einrichtung einer Koordinierungsstelle und die Implementierung partizipativer künstlerischer Prozesse in den Gesamtkontext des curricularen Unterrichts.

Als ein wichtiger Schritt zur Finanzierung der kulturellen Bildungsarbeit wurde  Anfang 2008 der Berliner Projektfonds für kulturelle Bildung eingerichtet. Er ermöglicht Partnern aus Kunst, Kultur und Bildung neue Projekte, ohne die bereits bestehende strukturelle Förderung von Häusern und Initiativen zu gefährden.

 

Offensive Kulturelle Bildung für Berlin
in der Kulturprojekte Berlin GmbH

In Konsequenz der forcierten Diskussion um eine Offensive Kulturelle Bildung in Berlin, die die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten mit dem Rat für die Künste, freien Kunstschaffenden, Vertretern der Bildungsverwaltung, wissenschaftlichen Fachgremien und der Verbandslandschaft kinder- und jugendkultureller Bildung geführt hat, wurde die Kulturprojekte Berlin GmbH mit  der Gesamtkoordinierung beauftragt.  

Gemeinsam mit den Trägern der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit ist das Ziel die Initiierung langfristiger Kooperationen zwischen Berliner Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie die Entwicklung nachhaltiger Programme, über die berlinweit Akteure, Initiativen und Projekte im Bereich der kulturellen Bildung vernetzt und strukturelle Anpassungen für eine ressortübergreifende Bildungsplanung unterstützt werden können.

Hier sollen die Impulse für die Kulturelle Bildung gebündelt und Unterstützung und Orientierungshilfe für die praktische Zusammenarbeit von Künsten und Schulen geleistet werden. Dabei ensteht kein Zentrum im Sinne von Kräftezentrieren - kein Staubsauger also - sondern ein Katalysator, der vielfältige Aktivitäten in der Stadt anzettelt, bewährte Projekte stärkt und eine neue Form der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure, Initiativen, Einrichtungen und Ressorts strukturell wie inhaltlich vernetzt aufbaut. So greifen verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen Kultur- und Bildungsszenen der Stadt (z.B. Konferenzen, Werkstätten, Gremien, Präsentationen und Festivals) im Podewils’schen Palais (dem Sitz der Kulturprojekte Berlin GmbH) auf eine gewachsene Infrastruktur für Entwicklung und Vermittlung aktueller Kunst zurück. Hier befinden sich auch die Projektbüros von TanzZeit – Zeit für Tanz in Schulen und TUSCH (Theater und Schulen).

Die Koordinierungsaufgaben werden durch Impulsprojekte und rahmengebende Aktionen begleitet. So verbindet die Erzählaktion Von Schatten, Schemen und allerlei Art zahlreiche Kooperationsprojekte der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit.

Mitbedacht ist ebenfalls die regelmäßige Evaluierung kultureller Bildung, d.h. die Erarbeitung von Qualitätskriterien sowie eine wissenschaftliche Begleitung bei gleichzeitiger Qualifizierung von Lehrern und Künstlern "on the job" für die praktische Arbeit.

 

Patenschaftsinitiative Künste & Schulen 


Diese Entwicklung in Berlin wäre ohne die Initiative der Künste, eigenständige Patenschaften mit Bildungseinrichtungen einzugehen, nicht so schnell in Gang gekommen. Der Patenschaftsansatz basiert auf der freiwilligen Selbstverpflichtung der Kultureinrichtungen zur Vermittlungsarbeit und bietet den Beteiligten die Chance, über außerschulische Partner eine Beziehung zur Kultur aufzubauen. Beim Tauffest im Konzerthaus am 1. Februar 2007 wurden 17 Patenschaften zwischen Berliner Kultureinrichtungen und jeweils einer Schule unterzeichnet. Inzwischen sind über 50 Schulen und mehr als 35 Kultureinrichtungen in der Patenschaftsinitiative aktiv. Die gegenseitigen Patenschaften sind auf drei bis fünf Jahre ausgerichtet. Die Initiative betont die Notwendigkeit zu beiderseitiger Öffnung und möchte zu gegenseitigem Vertrauen beitragen. Für keine der Patenschaften gibt es ein einheitliches Modell, jede Beziehung ist nach den Bedürfnissen der Beteiligten komponiert. Denkbar sind Probenbesuche, Führungen, gemeinsame Ausstellungen, künstlerische Workshops, Tagespraktika und Schnupperkurse in den Gewerken, Mitwirken an Schulfesten und am Tag der offenen Tür, Künstlergespräche, prozessbegleitende Fotoarbeiten oder auch Fußballturniere. Über die Patenschaft können die Schüler den Kulturbetrieb in vielen Facetten kennen lernen. Fern von Unterrichtsatmosphäre und Leistungsnachweisen ist Kunst direkt zu erleben, werden in gemeinsamer Arbeit mit Künstlern Fragen formuliert und Antworten gefunden.

 
© 2007