Boris Charmatz-Musèe de la Danse©Sandro Zanzinger

Tanz im August

Vom 19. August bis 3. September präsentiert Tanz im August - Internationales Tanzfest in Berlin zum 22. Mal Arbeiten international renommierter Choreografen sowie Stücke der jüngeren Generation. Insgesamt 38 Produktionen aus 19 Ländern bringt das größte deutsche Tanzfestival in einer Werkschau des zeitgenössischen Tanzes auf die Bühnen Berlins.


Die Kuratoren von Tanz im August haben für die diesjährige Ausgabe des Festivals zwei inhaltliche Schwerpunkte herausgearbeitet: die Themen Menschenrechte und Tanzgeschichte.

Immer häufiger und eindringlicher appellieren Choreografen an einen verantwortlichen Umgang mit Menschen und Ressourcen, womit sie dem Tanz eine gesellschaftskritische Funktion zuweisen. Viele menschenrechtlich relevante Fragen betreffen den Körper wie etwa Verhüllungsverbote, unmenschliche Arbeitsbedingungen oder die Diskriminierung sexueller Orientierungen.

Diesem Aspekt nähern sich les ballets C de la B/Alain Platel und Frank Van Laecke in „Gardenia“, mit dem Tanz im August am 19. August eröffnet wird. Die als Mann geborene Schauspielerin Vanessa Van Durme und sechs Männer, die einen Teil ihres Lebens als Frauen verbringen, erzählen von ihrem Dasein in der Grauzone zwischen den Geschlechtern. Ein berührendes und unterhaltsames Plädoyer für Toleranz und Offenheit, das mit feinem Gespür für die Persönlichkeiten, Erfahrungen und Fähigkeiten der nicht-professionellen Darsteller entwickelt wurde.

Lemi Ponifasio, einer der wichtigsten Regisseure Neuseelands und ein High Chief of Samoa, verschmilzt in seinen kraftvollen, herausfordernden Stücken zeitgenössischen Tanz mit den traditionellen Bilderwelten des Südpazifik. Ponifasio beschreibt seine Theaterarbeit als Ritual, Zeremonie und Raum des Bewusstseins. “Tempest: Without a Body“ ist ein sinnliches und bildgewaltiges Stück zwischen Licht und Dunkelheit mit präzisen, synchronen Bewegungssequenzen, das auf der Bühne eine Vision von Freiheit und Bewusstheit eröffnet.

Im zweiten Schwerpunktthema befasst sich das Festival mit der Tanzgeschichte und ihrer Relevanz für die Gegenwart. Zeitgenössische Choreografen verwenden historische Werke und Diskurse zunehmend als Inspirationsquelle und machen die Möglichkeiten des Umgangs mit der Geschichte ihres Mediums selbst zum Thema ihrer Stücke.

Boris Charmatz etwa komponiert eine Bewegtversion des Fotobandes “Merce Cunningham: Fifty years” von David Vaughan, der dessen Arbeit von 1944 bis 1994 dokumentiert. Charmatz’ Choreografie lässt die Bilder wie ein Daumenkino auf der Bühne lebendig werden und präsentiert “50 Years of Dance” mit ehemaligen Tänzern unterschiedlicher Generationen der Merce Cunningham Dance Company. “50 Years of Dance” ist Archiv- und Erinnerungsarbeit - und eine ungewöhnliche Hommage an die Tanzlegende.

Weitere Gäste bei Tanz im August 2010 sind u.a. Lemi Ponifasio, Jérôme Bel , Andrieux, Meg Stuart und Philipp Gehmacher, Simone Aughterlony und Jorge Léon, Héla Fattoumi und Éric Lamoureux, Les SlovaKs Dance Collective sowie erstmals Jecko Siompo aus West-Papua (Indonesien) und aus Israel die Niv Sheinfeld and Oren Laor Dance Projects. Zwei Programme zeigen die Arbeiten von Nachwuchschoreografen.

Neben den Abendvorstellungen bieten Workshops für Tänzer und Publikum, Vorträge, Diskussionen und Filmen die Gelegenheit, Tanzstile, choreografische Verfahren und künstlerische Visionen näher kennen zu lernen. Um die zum Festival eingeladenen Künstler mit anderen Projekten etwa als Musiker zu erleben, ist die sommer.bar im Podewil der richtige Ort. Die sommer.bar hat während des Festivals durchgängig geöffnet und dient wie schon in den vergangenen Jahren als Treffpunkt der Szene und der Besucher.

Komplettes Programm auf www.tanzimaugust.de.

 
 
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